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Sterbende Ringervereine - muss das sein? DRB-Referent im Interview
Stefan Kinateder befragt hierzu den DRB-Referenten Josef-Karl Neudorfer (Schul- und Breitensport)
SK: Wie hier im NEWSBOARD berichtet hat der Ex-Generalsekretär des DRB einen 117 Jahre alten Ringer-Verein 'beerdigt', bei dem er selbst Vorstandsvorsitzender war. Woran denkt man da als DRB-Referent?
JKN: Zunächst befällt einem bei dieser Nachricht Wehmut, dann aber auch Ärger. Damit stirbt wieder ein bisschen Ringen, wieder wird Ringen geschwächt. Leider ist der ASV Frankfurt nicht der einzige gefährdete Club.
SK: Warum auch Ärger?
JKN: Wenn Ringen heute nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, dann liegen die Gründe nach meiner Überzeugung in erster Linie beim Vereinsmanagement. Man hat den Sprung in die Neuzeit verpasst, es leider nicht geschafft, die Sportart modern zu präsentieren. Es ist in erster Linie Aufgabe der Vorstandschaft, gegenzusteuern wenn der Nachwuchs ausbleibt. Hier hat man offensichtlich zu früh aufgegeben, oder, um in der Fachsprache zu bleiben, sich fast ohne Gegenwehr schultern lassen.
Den Hinweis, dass eine Stadt sich für Ringen nicht eignet, kann ich nicht akzeptieren. Dann müsste Frankfurt ganz anders als z. B. Nürnberg sein, und das kann ich nicht glauben. In der Noris-Stadt können sogar mehrere Clubs überleben, nur betreiben die hervorragende Nachwuchsarbeit und kümmern sich auch um den Kontakt zu Schulen. Dort muss man Ringen natürlich attraktiv und modern verkaufen. Ich habe Nürnberg nur als Beispiel genannt, es wird auch in anderen grösseren Städten mit guten Konzepten Nachwuchsarbeit betrieben.
SK: Was hat sich beim Ringen so verändert, dass heute Vereine in Not geraten?
JKN: Da gibt es mehrere Ursachen. Einerseits haben wir seit Jahren einen starken Geburtenrückgang zu verzeichnen, andererseits hat es früher die Konkurrenz durch Fun-Sportarten nicht gegeben. Die drücken heute auf den Markt in die Schulen und ziehen den Nachwuchs an sich. Es gibt einen bestimmten Prozentsatz an Kindern, die sich ohnehin dem Kampfsport verschreiben. Die sind heute meist bei den fernöstlichen Sportarten gelandet, denn die konnten ein gutes Image vermitteln und haben obendrein - was Jude betrifft - den Eingang in die Schulen gefunden.
Die Ringer haben zum richtigen Zeitpunkt - das war - auf die westlichen Bundesländer bezogen - ca. um 1965 bis 1975 - versäumt, sich in den Schulen zu positionieren. Die Judokas haben das z. B. mit sehr grossem Erfolg getan. Früher konnten Jugendliche noch mit 15 und 16 Jahren zum Ringen geholt werden, das ist schon lange vorbei. Die Zielgruppe kann nur im Grundschulalter geholt werden, heute orientiert man sich schon fast am Kindergarten.
SK: Hilft Schulsport dem Ringen?
JKN: Eigentlich nur dann, wenn ein guter Kontakt zu Schulen, dem Rektor und Sportlehrern hergestellt wird. Das ist früher nicht passiert und glückt heute auch nur denen, die sich ausserordentlich bemühen. Hier gibt es sehr gute positive Beispiele. Wenn eine Schule generell Ringen bekämpft, dann kann das in kleineren Ortschaften das Ende bedeuten. In einer grösseren Stadt hat man hier mehre Möglichkeiten.
SK: Was macht der DRB, um den 'kränkelnden Clubs' zu helfen?
JKN: Der DRB kann auf einzelne Vereine nur ganz begrenzt einwirken, für eine umfassende Beratung ist er personell nicht in der Lage dazu. Es ist schlicht nicht möglich, in Deutschland alle kränkelnden Vereine zu beraten. Da sind hier die Landesverbände gefordert, darüber hinaus lassen sich viele Vereinsfunktionäre ohnehin nicht beraten.
Der DRB kann nur Konzepte liefern, das ist geschehen. Im Vergleich mit anderen Sportarten sind wir mit unseren Konzepten sehr fortschrittlich, das haben die jüngsten Vergleiche gezeigt. Leider nutzen sehr wenige unsere Konzepte und Ratschläge.
SK: Hatte der ASV Frankfurter keinen Zugang zu den Konzepten des DRB?
JKN: Als im DRB das Thema Schulsport aktuell wurde, schrieb man schon das Jahr 1990. Zu diesem Zeitpunkt standen die Weichen in Frankfurt offenbar schon auf Talfahrt. Ein Ringer-Verein stirbt langsam, das zieht sich über mehrere Jahre hinweg. Die Informationen und Konzepte standen natürlich dem damaligen DRB-Generalsekretär auch zur Verfügung, ich bezweifle nur, ob die ernst genommen wurden.
SK: Was wurde denn ernst genommen?
JKN: Da geht es in erster Linie um Tagesaktualitäten, wie z. B. der Kampfrichter am vergangenen Wochenende gepfiffen hat oder welcher Ringer mit einer tollen Aktion einen Sieg erzielt hat. Strategisch sind solche Diskussionen kalter Kaffee, aber viele auch Ehrenamtliche können sich von solchen Themen nicht lösen.
SK: Was ist den bedrängten Sportarten heute zu raten?
JKN: Es gibt eine Sammlung mit vielen Hinweisen, die man nutzen kann. Darüber hinaus führt der Schlüssel zum Überleben über Eltern und Schulen. Man kann auch im eigenen Ort oder Stadtteil ein positives Image für Ringen schaffen. Die Nutzung der örtlichen Medien ist ohnehin wichtiger, als einige Minuten im Fernsehen. Das ergab eine Untersuchung bei der die meinungsbildenden Medien untersucht wurden, und da liegt die heimische Presse unangefochten vorne.
SK: Ich danke für das Gespräch.