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DSB-Veltins-Studie 2001: Vereinsmitglieder schätzen Spass über alles
Auch Gesundheits- und Figurbewusstsein hält die Mitglieder im Sportverein
In der Breitensport-Bundeskonferenz hat der Deutsche Sportbund (DSB) den dort vertretenen 36 Spitzenverbänden und weiteren Organisationen Ergebnisse der Veltlins-Studie 2001 vorgestellt. Die Erkenntnisse tragen dazu bei, den Vereinen und Verbänden Orientierungshilfen für ihre Strategien anzubieten. Die Resultate entstammen einer Befragung von 1.023 Freizeitsportlerinnen und -sportler, die mindestens einmal pro Woche Sport betreiben.
Vereinsmitglieder geben viel Geld aus
In der Studie von 2001 wird die wirtschaftliche Bedeutung der Sportvereine herausgestrichen. Etwa 37 Mio. der Einwohner im Alter von 16 und 69 Jahren betätigen sich sportlich. Die wirtschaftliche Bedeutung wird klar, wenn man berücksichtigt, dass für das sportliche Outfit jährlich ca. 2,25 Mrd. EURO aufgewendet werden, als ähnlich hoher Ausgabeposten stehen Fahrtkosten (ca. 2,1. Mrd. EURO) zu Buche. In der Benutzung der Verkehrsmittel steht das Auto ganz oben, um die durchschnittlich 6,2 km entfernte Sportstätte aufzusuchen.
Geselligkeit ist für die Vereinsmitglieder besonders wichtig, was sich in Gastronomie-Ausgaben von ca. 6,9 Mrd. EURO niederschlägt. Immerhin finden 70 % der Sporttreibenden nach dem Training den Weg in die Gaststätte. Beachtenswert sind die Ausgaben für Sportgeräte (ca. 1,3 Mrd. EURO). Eine andere Sicht der Kostenstruktur gibt darüber Auskunft, dass bei einem Gastronomiebesuch im Durchschnitt über 11 EURO ausgegeben wird, für Sportkleidung im Jahr ca. 245 EURO aufgewendet werden und Fahrtkosten schlagen im gleichen Zeitraum mit ca. 295 EURO zu Buche.
Die Vereine lassen sich im Durchschnitt mtl. 17,85 EURO als Vereinsbeitrag überweisen, wobei die teuren Sportarten' (Golf, Tennis) den durchschnittlichen Beitragssatz erheblich nach oben drücken. Billiger geht es auch, eine Mehrheit (62 %) legt für die Vereinsmitgliedschaft monatlich weniger als EURO 10 auf den Tisch. Dies ist auch regional bedingt, denn auf dem Lande, in Kleinstädten (unter 20.000 Einwohner) und im Osten sind die kostengünstigsten Clubs angesiedelt.
Dass die Vereine eine besondere Stellung im sozialen Gefüge einnehmen, wird von 84 % der Befragten angenommen und 79 % sind der Auffassung, dass es ohne die Sportvereine keinen Spitzensport gäbe. Clubs, die sich den modernen Trends nicht öffnen, wird von einer Mehrheit (53 %) keine Überlebenschance eingeräumt und für 6 % gelten die Sportvereine ohnehin als veraltet.
An der Spitze der ausgeübten Sportarten liegen Radfahren (34 %), Schwimmen (20 %) und Jogging (19 %), gefolgt von Gymnastik/Turnen (14 %) und den Fitness-Studios (12 %). Klar abgeschlagen sind die Mannschaftssportarten. Fussball taucht mit einem Anteil von 11 % an sechster Stelle auf.
Als Hauptgrund für die körperliche Ertüchtigung geben 84 % Spass an. Die Spassgesellschaft schlägt hier voll durch, obwohl noch 66 % die sportliche Betätigung schätzen und 63 % ihre Figur verbessern wollen. Männliche Vereinsmitglieder trainieren im Schnitt 2,2 mal pro Woche, die Frauen mit 1,9 Besuchen etwas weniger. 18 % suchen die Trainingsstätte wöchentlich drei mal auf, weitere 10 % noch öfter.
Ehrenamtliche finanzieren sich meist selbst
Gut ein Drittel der Vereinsmitglieder (36 %) betätigt sich ehrenamtlich, die Mehrheit davon (76 %) bis zu fünf Stunden wöchentlich. Eine Hauptlast tragen 5 % der Funktionäre, die wöchentlich mehr als 11 Stunden für den Verein aufwenden. Die hohe ehrenamtliche Leistung wird weiter deutlich, denn 42 % finanzieren ihre Tätigkeit mit durchschnittlich 17,50 EURO selbst, weitere 13 % steuern aus eigener Tasche sogar monatlich mehr als 50 EURO bei. Die meisten der Ehrenamtlichen sind Männer, im Durchschnitt 39 Jahre alt und leben vorwiegend auf dem Land oder in einer Kleinstadt.
Prof. Dr. Bernd Meyer (Osnabrück) argumentierte, dass der Sport seine Wirtschaftskraft von 27 Mrd. EURO deutlicher vertreten und präventive Strategien entwickeln müsse. Die Zukunft liege in mehr Hauptamtlichkeit und in den Zusammenschlüssen kleinerer Clubs, begleitet von professioneller Hilfe der Sportverbände.
Dass es mit den Zusammenschlüssen nicht immer funktioniert, wurde deutlich, als Prof. Dr. Eike Emrich (Frankfurt) seine Untersuchungsergebnisse vorstellte. Vorwiegend kleine Vereine mit einem schmalen Budget und "familialen Finanzstrukturen" dominieren die Vereinslandschaft. Personell sind Zusammenschlüsse oft nicht durchführbar, scheitern an den Personen, die nicht zu Zusammenschlüssen bereit sind. Für Prof. Emrich bleibt die Frage offen, ob die Verbände die Interessen ihres mehrheitlichen Klientels (Kleinvereine) wahrnehmen und nicht zu sehr die Großvereine unterstützen.
Wie sind die Ergebnisse der Studie nun in die Praxis umzusetzen. Einige der Vereinsführungskräfte werden sich bestätigt finden, wenn zu dem sportlichen Angebot auch gesellschaftliches Leben gepflegt wird, für andere könnte dies ein Anstoss für eine Umorientierung sein. Ähnlich ist dies mit den weiteren Ergebnissen. Jeder Verein und Verband muss dies individuell betrachten und eigene Schlüsse daraus ziehen.
Josef-Karl Neudorfer
Referent für Breiten- und Schulsport im DRB