News: SV-Projekt Ringen-Aktuell 27.03.2003

Gewaltprävention in Untergriesbach: Ringen im Schulsportunterricht findet bei Lehrkräften hohe Zustimmung

Prof. Dr. Gunter A. Pilz empfiehlt wöchentliche Sportstunden für Grundschüler im Ringen

Die Professoren Rieder (Heidelberg) und Atzesberger (Koblenz) würden ihre Feststellungen voll bestätigt sehen. Beide stellten fest, dass Vorurteile dann bestünden, wenn das Wesen des Ringens unbekannt ist. Nur ganz wenige der Fortbildung konnten am Ende behaupten, schon mit profunden Wissen über Sportart angereist zu sein.

Die Skepsis überwog zu Beginn, Ablehnung war nicht selten. Es gab viele Lehrkräfte, die nach den Informationstagen ihre Meinung total änderten und dies in Gespräch im Anschluss an die Fortbildungsmassnahme und bei Telefonaten äusserten. Trotz körperlichem Einsatz bei den Jugendlichen Ringern war von Brutalität nichts zu sehen, der im Ringen erforderliche hohe Stand an allgmeiner sportlicher Grundausbildung verblüffte die Besucher.

Sportlehrer bekamen eine Reihe von Übungen zu sehen, die im Schulsportalltag nicht bekannt sind. Ringen ist ohne erlernte Technik im Schulsport möglich, vom Sportlehrer gut steuerbar. Am Ende überwog die fröhliche Stimmung, die Übungen der Ringer hatten dazu beigetragen. Der SV Untergriesbach präsentierte die uralte Sportart modern und mit Witz. Auch der Bayerische Rundfunk (Hörfunk) liess sich von der guten Stimmung anstecken und berichtete an zwei Tagen mehrfach über die nicht alltägliche Veranstaltung.

Mit dem Projekt "Aggressionsabbau und Gewaltprävention durch pädagogisch vermitteltes Ringen" beteiligte sich der SV Untergriesbach an der Vereins-Challenge von MasterCard. Die Jury stufte das Vorhaben in die höchste Gruppe ein, zu der unter 800 Wettbewerbern noch weitere vier Vereine gehörten. In zwei Informationstagen sollte das Wesen der Sportart Ringen erklärt werden. Weitere Massnahmen folgen.

Der erste Tag war für alle interessierten Lehrkräfte offen, eine Einladung erging an die Schulen im Passauer Raum. Die Zusammenarbeit mit den Schulbehörden von Niederbayern und dem Schulamt Passau war ausgezeichnet. Mit dem Regierungsfachberater Oskar Glöbl (Landshut) wurde der Tagesablauf der abgestimmt, eine sehr konstruktive Zusammenarbeit, lobt man beim SV Untergriesbach.

Rektoren, Konrektoren und weitere Lehrkräfte aus Untergriesbach und Umgebung nutzten die gebotene Chance, sich ausführlich zu informieren. Auch Bürgermeister Günter Kohl blieb bis zur letzten Sekunde. Neben dem Hauptvortrag von Prof. Pilz standen die Einführung in die Sportart Ringen, Vorführungen und eine Podiumsdiskussion auf dem Programm.

Mit Prof. Dr. Gunter A. Pilz (Universität Hannover) konnte ein hochkarätiger Fachmann für den Hauptvortrag gewonnen werden. Die Ursachen für Aggressionen wurden erläutert, die Schule muss sich dessen bewusst sein, dass auch in den Klassenräumen Frust entsteht. "Wer Menschein in 45-Minuten-Rhythmen presst und sie in kognitive, affektive und motorische Lernbereiche zerlegt, darf sich nicht wundern, wenn diese Menschen bisweilen das Klassenzimmer zerlegen," so. Prof. Dr. Pilz.

Bei Jahn konnten Jugendliche Bedürfnisse nach Spannung, Abenteuer, Risikio, nach Befriedigung der Rauf- und Kampflust ausleben. Bei Jahn gab es keine Trennung nach Sportarten, da waren belebende Leibesübungen wie fordernde Turnübungen, Bewegungserlebnisse in Form von Blancieren, Schwingen, Klettern, Springen, Ringen, Laufen und Werfen, erläuterte der Soziologe aus Hannover.

Beim Beispiel Ringen im Schulsport kristallisieren sich eine Reihe von Vorteilen heraus, z. B. soziales Lernen, Rücksichtnahme, Respekt und Verantwortungsbewusstein für sich und andere. Junge Menschen müssen lernen, mit Aggressionen umzugehen und brauchen Gelegenheit zum Raufen und Kämpfen, war eine der weiteren Botschaften.

Geringer körperlicher Umgang scheint ein Grund für gewaltförmige Auseinandersetzung und Brutalisierung zu sein, bekamen die Besucher zu hören.

Weiter sei es kontraproduktiv, wenn spielerische Balgereien und Raufereien von Aufsichtsbehörden zu früh unterbunden werden.

Die Sportfachberater aus Niederbayern - sie waren am zweiten Projekttag in Untergriesbach - hatten Gelegenheit, nach den Vorführungen unter Anleitung des im Ringen erfahrenen Kollegen Richard Löschl selbst einige Bewegungsformen nachzuvollziehen. Zu schnell war der Tag vergangen, die Praktiker im Sport hätten gerne noch mehr ausprobiert, war zu hören.

Die Projekttage hatten gezeigt, dass Ringen im Schulsport sich bestens eignet. Man wird sich überlegen müssen, wie es weitergeht. Der Bayrische Ringer-Verband ist nun gefordert. Prof. Dr. Waschler hatte in der Podiumsdiskussion auch Mut gemacht und auf die Möglichkeiten der Veränderungen hingewiesen.

Als konkrete Ergebnisse stellte der SV Untergriesbach fest, dass die Schule einen Sportlehrer benannt hat, der sich mit Ringen befasst. Einziges Problem dabei, der muss im kommenden Jahr um seine Festanstellung fürchten. Das Gymnasium hat vorgeschlagen, eine Sportarbeitsgemeinschaft (SAG) einzurichten. Und insgesamt ist das Klima zu den Schulen deutlich verbessert worden, das allein war die Aktion wert.

Text zum Foto Podiumsdiskussion:

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion stellten sich den Fragen des Moderators Hans Heindl (SV Untergriesbach - nicht im Bild). Im Bild von links nach rechts: Josef-Karl Neudorfer (Deutscher Ringer-Bund), Richard Löschel (Schulobmann Ringen), Prof. Dr. Gerhard Waschler (MdL / Passau), Prof. Dr. Gunter A. Pilz (Universität Hannover), Volker Barth (Leiter der Fachklinik Schlehreut).

Text zum Foto (zwei Personen): Die Moderatorin des Bayerischen Rundfunks, Frau Wolf (li.) sammelte viele Meinungen, unter anderem auch die von Joachim Klopf, Diplom-Sportlehrer und Trainer des SV Untergriesbach.

von Josef-Karl Neudorfer