TOP - THEMA Ringen Aktuell 18.06.2002

Ringen-Aktuell greift brisante Themen auf und bringt Hintergrundinformationen. Diesmal zum Thema

"Bewertung der Sportart Ringen in Focus-Online"

Zu einem ganz brisanten Thema kam Stefan Kinateder (S.K. - Ringen-Aktuell) in Gespräch mit Josef-Karl Neudorfer (JKN - DRB-Schulsport-Referent):

S.K.: "Im Auftritt des Focus wird Ringen nicht gerade vorteilhaft beurteilt. Ist diese Dokumentation im DRB bekannt?"

JKN: "Ja, die Dokumentation ist bekannt. Ich bin schon vor einiger Zeit auf diese Seiten gestossen und habe Dr. Frank Rauhut, damals noch Vorsitzender der Ärztekommission, darauf aufmerksam gemacht. Die Thematik wurde dann zunächst nicht weiter verfolgt, weil im Zuge einer Umgruppierung bei Focus die Seiten einige Zeit nicht auffindbar waren. Ich habe angenommen, dass die Texte gelöscht wurden."

S.K: "Und jetzt sind die Seiten wieder aufgetaucht?"

JKN: "Das änderte sich vor einiger Zeit und die Seiten waren - allerdings etwas verändert - wieder lesbar."

S.K.: "Wie reagiert der DRB darauf?"

JKN: "Bei der letzten Präsidiumssitzung im Januar 2002 habe ich Dr. Hans Eisenlauer, dem Nachfolger von Dr. Frank Rauhut in der Funktion des Vorsitzenden der Ärztekommission, einen Ausdruck der Focus-Seiten übergeben. Dr. Eisenlauer will dem Thema nachgehen, bat um Verständnis darum, dass dies erst nach Beendigung der Meisterschaftsserie erfolgen kann. Die Ärzte sind da involviert und es ist verständlich, dass man dies in die Zeit schiebt, in denen die Wettkämpfe abflauen."

S.K.: "Ist da nicht ein grosser Imageverlust zu befürchten?"

JKN.: "Da muss man die Relationen betrachten. Negative Presse ist natürlich nie gut, aber die Foucs-Seiten sind recht gut "versteckt", sodass sich nur wenige dahin verirren. Das mag man daran sehen, dass sie von anderen Ringern, die sicher im Internet beweglich sind und alles auftun, was auf Ringen hindeutet, offenbar erst spät entdeckt wurden. Nachdem hier 50 Sportarten aufgeführt werden, kämpft sich nicht jeder unbedingt bis dahin durch. Negative Presseberichte sind da weitaus schädlicher. Das heisst aber nicht, das der Zustand so bleiben darf".

S.K.: "Was ist so negativ am Focus-Bericht?"

JKN.: Die Tatsachen werden verdreht. Focus stellte die Serie als Sportart für Jedermann dar, in die Bewertung gingen offensichtlich im Ringen die Werte von Hochleistungssportlern ein, die bekanntlich verletzungsanfälliger als der Breitensportler sind. Sie gehen auch zwangsweise näher an ihre Grenzen heran. Da stimmt das Verhältnis nicht, während die verglichenen anderen Sportarten rein aus der Breitensportsicht betrachtet wurden.

S.K.: Wie sieht eine mögliche Korrektur der Daten aus?

JKN: Unsere Sportärzte müssen zunächst versuchen, zu ermitteln, aus welchen Quellen die Daten stammen. Gleichzeitig könnte Entlastungsmaterial gesammelt werden. Da gibt es z. B. eine Facharbeit von Bernd Rieger (Nürnberg), eine Studie von Prof. Atzesberger und andere Hinweise aus der Literatur, die belegen, dass Ringen von der Verletzungsgefährdung im Mittelfeld der Sportarten, eher Tendenz nach unten, liegt. Auch andere Eigenschaften werden in vielen Dokumentationen entschieden positiver bewertet.Ein weiterer Schritt ist, dass die Daten von Focus ausgetauscht werden. Aber hier möchte ich unseren Ärzten nicht vorgreifen, die sicher noch über bessere Quellen als ich verfügen.

S.K.: Danke für das Gespräch und einen schönen Tag noch.

Wenn sie Fragen haben oder mitdiskutieren wollen, in unserem Forum haben sie die Möglichkeit dazu.

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