| Wissenswertes - Regelkunde, Hinweise & Änderungen | 28.01.2002 | |
Neue Gewichtsklassen international die Folgen in Deutschland
Die Vorgeschichte:
Die Gewichtsklassen sind im Ringen eine Regulierungsmassnahme, um den körperlichen Unterschieden der Sportler/innen annähernd gerecht zu werden. In der Antike gab es nur eine Gewichtsklasse, eine unbeschränkte. Da hatten nur die Stärksten und damit verbunden auch oft die Schwersten eine Chance. Von Chancengleichheit war da keine Rede. Bei den olympischen Spielen 1896 war dies auch noch so, dann setzte eine Entwicklung bei den Gewichtsklassen ein.
Sieht man von Auswüchsen der unbeschränkten Kategorie (Chris Taylor) ab, erreichte Ringen 1972 bei den olympischen Spielen ihren besten Wert. Die Boxer waren in ihrer Entwicklung schon weiter (1972 = 11 Gew.Klassen) und bauten ihre Position aus (ab 1996 = 12 Gewichtsklassen). Auch die Judokas erhöhten die Kategorien von 6 auf 7 Teilnehmer, in Atlanta (1992) waren sie mit 7 Gewichtsklassen bei Damen und Herren vertreten.
Die FILA hatte für 2000 schon mal vorsorglich 4 Gewichtsklassen (je 2 in pro Stilart) ohne Not freiwillig aufgegeben und dabei verschlafen, die Damen in das olympische Programm zu hieven. Presseberichten zufolge wurde versäumt, den Antrag zu stellen. Verpasst haben auch die nationalen Verbände, hier entsprechend Druck zu machen.
Das Desaster folgte auf dem Fusse, denn das IOC möchte die Spiele begrenzen und lässt nur mehr so viele Damenklassen und Teilnehmerinnen zu, wie bei den Herren aufgegeben werden. Heute lässt sich feststellen, dass den FILA-Herren jegliches taktisches Gespür gefehlt hat. Andere Sportarten sind da besser positioniert.
So haben z. B. die Boxer ihre Gewichtsklassen ausgeweitet. Wäre Ringen diesem Weg gefolgt, hätte das für 2004 (Athen) bedeuten können, dass bei einer Reduzierung von 12 Gewichtsklassen auf 9 Kategorien für die Damen immerhin 6 Gewichtsklassen übrig geblieben wären. Aber das Thema wurde versiebt. Das jetzige Ergebnis ist ein Desaster, denn von 24 möglichen Kategorien sind für 2004 nur 18 übrig geblieben.
Wir müssen uns nun auf die Tatsachen einstellen. Wie gehen wir nun damit um?
Zum einen können wir feststellen, dass die Herren bis auf wenige Ausnahmen international den Anschluss verpasst haben. Die Trainer wissen ohnehin genau, wen sie wohin schicken können, ob es nun neue Gewichtsklassen gibt oder nicht. Und wenn wirklich Zweifel bestehen, so ist die Möglichkeit der Entscheidung auch bei Lehrgängen gegeben.
Damit bleibt nun die offen, was national günstig ist. Da wiederum fehlen im Herrenbereich die Entscheidungsgrundlagen. Wir wissen nur eines, bei einer Reduzierung der schwersten Kategorien (von 130 auf 120 kg bei den Herren und von 75 auf 72 kg bei den Damen) werden wieder einige Ringer/innen auf der Strecke bleiben. Dabei müsste doch das Ziel sein, Ringer/innen nicht weiter auszugrenzen. Ein so mitgliederschwacher Verband kann sich derartiges nicht leisten.
Die Folge einer Gewichtsreduktion wäre, dass den schwereren Jugendlichen der Weg zum Ringen verbaut würde. Das wiederum ist mit der Satzung des DRB (§ 4 Aufgaben 2. Förderung und Pflege der Jugendarbeit) nicht in Einklang zu bringen. Darüber hinaus kann es nur von Vorteil sein, wenn bei der Vorbereitung auf internationale Wettbewerbe auch Ringer/innen einbezogen werden können, die für die zukünftigen internationalen Gewichtsklassen zu schwer sind.
Bei den Damen ist die Entscheidungsfindung etwas leichter. Die heutigen unteren Gewichtsklassen (43 kg/46 kg) können kaum besetzt werden. Da fällt es leicht, diese Klassen aufzugeben. Die restlichen Kategorien unterscheiden sich (mit Ausnahm der Schwersten) geringfügig (s. Anhang).
Neben den Meisterschaften gibt es im Herrenbereich noch die Mannschaftskämpfe. Die Ringer und Vereine orientieren sich ohnehin nicht an den internationalen Wettbewerben, sondern nach den Vereinserfordernissen. Hier wirkt sich die Reduzierung der schwersten Gewichtsklassen wieder negativ aus. Eigene Ringer werden ausgegrenzt und vermutlich zum Teil mit Ausländern ersetzt.
Von den Vereinen eine objektive Entscheidungshilfe zu erwarten, dürfte eine Fehleinschätzung sein. Jeder Club entscheidet nach der augenblicklichen Situation, nicht nach langfristigen Auswirkungen, die ohnehin nicht auf dem Tisch liegen. Wenn der eigene Schwergewichtler 120 kg auf die Waage bringt, dann kann die Klasse ruhig reduziert werden, denn der Konkurrent wird damit möglicherweise geschwächt. Langfristig kann dies allerdings eine verhängnisvolle Sichtweise sein, denn in ein paar Jahren kann das Pendel genau in die andere Richtung ausschlagen.
Fazit: Bevor nicht alle Auswirkungen auf den Tisch liegen, ist die Entscheidung im Herrenbereich zu vertagen. Die bisherigen Aussagen sind einfach zu dürftig und zu wenig aussagekräftig.
Josef-Karl Neudorfer
| Gewichtsklassen alt | Teilnehmerinnen | Gewichtsklassen neu | Empfehlung | |
2000 |
2001 |
|||
| 43 kg | 0 | 1 | ||
| 46 kg | 6 | 2 | 48 | 48 |
| 50 kg | 6 | 6 | 51 | 51 |
| 54 kg | 5 | 9 | 55 | 55 |
| 58 kg | 7 | 8 | 59 | 59 |
| 63 kg | 10 | 6 | 63 | 63 |
| 68 kg | 4 | 4 | 67 | 68 |
| 75 kg | 4 | 5 | 72 | 75 |
| Fazit: Aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen in 43 kg bietet sich eine Anpassung mit Ausnahme der 75-kg-Klasse an. | ||||
| 54 kg | 55 kg | |||
| 58 kg | 60 kg | |||
| 63 kg | 66 kg | |||
| 69 kg | ||||
| 76 kg | 74 kg | |||
| 85 kg | 84 kg | |||
| 97 kg | 96 kg | |||
| 130 kg | 120 kg | |||
| Fazit: Veränderung erst nach Ermittlung aller Auswirkungen. | ||||