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Krise im DRB Wege zur Krisenbewältigung
Eine
Serie von J.-K. Neudorfer
Stand der Serie: 1. Folge von 6 / 11.06.2001
Inhalt:
Durch Alexander Leipold kam eine Diskussion auf, die wohl unterblieben wäre, wenn nicht die Dopingaffäre den DRB in eine Krise gestürzt hätte. Dabei geht es um mehr als den Olympiasieg von Alexander Leipold.
Die Ringerwelt in Deutschland jubelte Anfang Oktober 2000 noch. Endlich ein verkaufbarer Erfolg und zudem ein Athlet, der bei den Medien Interesse weckt und als Sympathieträger gilt. Viele Hoffnungen waren damit verbunden, bis die Doping-Affäre ihren Lauf nahm und Presseberichten zufolge den DRB in die Krise stürzte.
Neben den Streitigkeiten tauchte noch ein Effekt auf: Die Internet-Besucher begannen zu diskutieren und deckten Schwächen innerhalb des DRB auf, die bislang zwar bekannt waren, aber im Verbandslabyrinth untergingen. Von Strategie wird da gesprochen, von Versäumnissen auf internationaler Ebene u.s.w.
Der DRB ist ein Verband, der sich überwiegend auf ehrenamtliche Funktionen stützt. Das ist in manchen Fällen ein Vorteil, kann aber auch ein Nachteil sein. Die Professionalität in manchen Bereichen läßt zwangsweise zu wünschen übrig, denn wer außer Ärzten und manchen Trainern hat schon das gelernt, was er nun im DRB ausübt. Das soll nun kein Vorwurf sein an die Ehrenamtlichen, die ihre Zeit ja unentgeltlich einbringen, nur eine Feststellung. Da muß auch der Blick dafür frei werden, bei der Besetzung von Funktionen auf mehr Professionalität zu achten. Die beruflichen Qualifikationen treten in den Vordergrund.
Entscheidend ist auch die Motivation, die zur Ehrenamtlichkeit jeder einzelnen Person geführt hat. Im Jahr des Ehrenamts wird beklagt, dass insgesamt zu wenige sich in das Ehrenamt eingliedern lassen. Viele Personen werden damit geworben, dass ohne ehrenamtliche Tätigkeit das gesellschaftliche Leben viel ärmer wäre und ohne Ehrenamt besonders im Vereinsbereich sich nichts bewegen würde.
Wir wissen, dass es aber auch andere Motive gibt. Die Ausübung von Macht oder das Verschaffen von Vorteilen irgendwelcher Art ist ebenfalls anzutreffen.
Früher kam man mit einer Matte, einem Kampfrichter und zwei Ringern noch aus. Spätestens mit dem Leipold-Fall dürfte klar geworden sein, dass so eine Denkweise nicht mehr ausreicht. Aber in den "Non-Profit-Organisationen" (NPO) wie es die Verbände einmal sind, denkt man anders als in Firmen, die auf dem Markt ihre Position behaupten müssen. Vor allem junge Sportarten bringen aber die "marktorientierte Denkweise" mit und lassen die althergebrachten Verbände damit alt aussehen.
Viele Ehrenamtliche Mitarbeiter wollen Wissenschaftlern zur Folge nur das tun, was ihnen gefällt. Bei einer Struktur, in der jeder sein eigenes Aufgabengebiet bestimmt, bleiben damit zwangsweise viele Aufgabenfelder brach liegen. So kommt es, daß nun Internet-Besucher aus ihrem Beruf manches ableiten und Schwächen in den Verbänden entdecken.
Das betrifft übrigens viele andere Sportarten auch und selbst in Disziplinen, in denen Geld nun wirklich keine Rolle spielt (Fußball, Tennis), ist nicht-professionelles Verhalten anzutreffen. Es ist bemerkenswert, wenn ein mächtiger Fußballverband plötzlich bemerkt, daß seine Nachwuchsstrukturen nicht passen und es nicht möglich ist, aus Millionen von Kickern international konkurrenzfähige Spieler zu rekrutieren.
In den nächsten Wochen werden wir ganz wertfrei aufzeigen, was aus unserer Sicht notwendig ist, um wettbewerbsfähig zu werden. Das ist der deutsche Ringsport derzeit nämlich nicht. Und noch eines ist wichtig: Das Zusammenspiel von DRB, Landesverbänden und Vereinen muß stimmen.
In den nächsten Wochen werden wir uns mit folgenden Themen beschäftigen:
Sie sind aufgefordert, mitzudiskutieren. Wir weisen darauf hin, daß wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.
2. Struktur im DRB, den Landesorganisationen und in den Vereinen (Folge1)
Die Struktur der meisten Vereine und Verbände wird durch eine Satzung bestimmt, die mit der Eintragung ins Vereinsregister begann. Dafür sind bestimmte gesetzliche Voraussetzungen (HGB) erforderlich. Die gesetzlichen Grundlagen sind in vielen Bereichen über 100 Jahre alt. Nach dem 2. Weltkrieg nahmen die Besatzungsmächte Einfluß auf die Vereinsbildung.
Zu den gesetzlichen Erfordernissen kamen besonders in den letzten Jahren Funktionen hinzu, die der Wandel im Sport mit sich brachte. Eine grundsätzliche Neuorientierung erfolgte in den meisten Verbänden bisher noch nicht. Derartige Dinge sind auch nicht beliebt, denn wenn Personen plötzlich nicht mehr dem Präsidium angehören, sieht das nach Herabstufung aus.
Jeder neue Ehrenamtliche wurde in das Präsidium eingegliedert, sodass das Gremium mit 20 Personen und mehr zu groß geworden ist. Dabei sind wichtige Funktionen noch nicht oder nur unzureichend abgedeckt. Daraus ergibt sich allein der Zwang zur Umstrukturierung, denn neue Funktionen sind nicht weniger wichtig als traditionelle Positionen. Der beste Zeitpunkt für den DRB war vor vier Jahren, viele neue Funktionsträger wurden gewählt. Der Zeitpunkt wurde verpasst.
Die Anforderung an die Vereine und Verbände ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Zeitlich ist manche Person nicht mehr in der Lage, den erhöhten Aufwand zu bewältigen, zumal oft andere Aufgaben im Verein oder Landesverband warten.
Da muß man sich entscheiden, ob der Mehrbedarf durch Ehrenamtliche abgedeckt wird oder ob Hauptamtliche die Defizite abdecken. Nachdem die Finanzen des DRB auf absehbare Zeit die weitere Beschäftigung von Hauptamtlichen kaum zuläßt, befassen wir uns zunächst mit einer ehrenamtlichen Struktur. Um die Effektivität zu erhöhen, wird vorgeschlagen, die Arbeit der Ausschüsse zu stärken.
Das Organigramm zeigt Funktionen und Strukturen auf, lässt aber offen, wie viele Personen für eine Aufgabe benötigt werden.

Die Steuerung des Verbandes könnte durchaus in einem eigenen Referat zusammengefasst werden.
Bisher war die Effizienz eines Bereiches kaum einThema. Die Zielsetzungen für 2000 (Olymp. Spielen) gingen davon aus, dass die Einstufung für Fördergelder wieder zu erreichen sei. Die Realität bedeutete den totalen Absturz.
Wenn Ziele nicht erreicht wurden, dann sollte in einem Rechenschaftsbericht schon dargestellt werden, woran das gelegen hat. Wir gehen davon aus, dass
für eine Steuerung des Verbandes unabdingbar sind. Betroffen hiervon sind alle Bereiche.
Anmerkungen zu der Funktion des Präsidenten. Wir halten es für vorteilhaft, dass an der Spitze eine Person steht, die in der Öffentlichkeit angesehen ist. Das bedeutet, dass der Zugang zur Presse ohne Probleme erfolgt, am besten die Person die Presse alleine schon anzieht.
Sponsoring-Verträge lassen sich zunehmend nur durch personelle Kontakte knüpfen. Da ist der Präsident gefordert, die Türen hierfür zu öffnen. Gleiches gilt für den Zugang zur Politik und anderen Verbänden. Sehr wichtig erscheint es, nicht vorhandene Kontakte durch Personen zu beschaffen, die einem Beirat angehören könnten.
Zunehmend übernehmen Personen aus Politik und Wirtschaft Führungsfunktionen in Verbänden. Jüngste Beispiele existieren auch aus kleineren Verbänden. Man muss sich jedoch auf die Suche machen - Aufgabe eines scheidenden Präsidenten, von Vizepräsidenten und der Landesverbände.
Die Positionierung der Sportart national und international erfordert eine klare Zielstellung. Einfluß auf die Verbände ist nur zu erreichen, wenn
Dazu sollten Personen (für ein Lobbying) aufgebaut werden. Wichtig erachten wir, die Anforderungen zu definieren (Sprachen, Bekanntheitsgrad, Durchsetzungsvermögen u.s.w.) und entsprechende Personen zu suchen oder langfristig aufzubauen. Zu überlegen wäre, ob Personen, die in der Wirtschaft tätig sind und im Ringen internationale Erfolge gefeiert haben, für diese Aufgaben zu gewinnen sind.
Auch Fortbildungen von bestimmten Funktionsträgern sollten nicht unbeachtet bleiben.
Beachten wir die Zielsetzungen für unterschiedliche Gruppen, die über den normalen Tagesablauf hinausgehen:
Leistungssport:
Meisterschaften:
Platzierungen bei Wettkämpfen in allen Bereichen
Routineaufgaben sind u. B.:
Ligen:
Routineaufgaben sind z. B.:
Damen:
Listenführung:
Kampfrichter:
Trainer:
Wissenschaft:
Medizin
Bundeswehr:
In Kürze wird der Teil 3 aktiviert: Schul- und Breitensport (25.06.01)
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